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März 2021

 

Gedanken zum Monatsspruch März

 

Jesus antwortete: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien. (Lk, 19,40)

Was Jesus mit diesem Satz, dem Spruch für diesen Monat, sagen will, erschließt sich uns erst, wenn wir uns vor Augen führen, in welchem Zusammenhang Jesus ihn gesagt hat.

Jesus ist mit seinen Jüngern auf dem Weg nach Jerusalem, um am Passafest teilzunehmen. In einem Dorf vor der Stadt lässt er sich einen Esel besorgen, um auf ihm in die Stadt einzuziehen. Ihm werden Kleider auf dem Weg ausgebreitet. Und er wird von Teilnehmern des Festzuges gepriesen. Das berichten alle Evangelien. Doch sie akzentuieren etwas unterschiedlich, je nachdem, worauf sie in der Erzählung ihr besonderes Gewicht legen wollten.

Der Evangelist Lukas nahm in diesem Zusammenhang eine Überlieferung auf, die die anderen Evangelisten nicht kannten oder von ihnen ausgelassen wurde (Verse 41 - 44). Es ist die Überlieferung darüber, dass Jesus über die Stadt Jerusalem weinte und zugleich ihre Zerstörung ankündigte, weil die Bewohner nicht erkannt hatten, wer an diesem Tag seines Einzuges wirklich zu ihnen gekommen war: Gott, der sein Volk gnadenhaft heimsucht und, wie die Engel bei der Geburt seines Sohnes es verkündeten, Frieden und Heil mit sich bringt. Deshalb wird Gott nach lukanischer Erzählung bei Jesu Einzug nun nur von den Jüngern Jesu gelobt und gepriesen (Vers 37), nicht aber vom ganzen Volk, wie es die übrigen Evangelisten erzählen. Das Volk in Jerusalem nimmt also in seiner Erzählung keine Kenntnis vom Einzug Jesu, dem Heils- und Friedensbringer. Deswegen wird im Übrigen der Untergang der Stadt durch einen Krieg als Folge davon angekündigt.

Doch nun zurück zur Erzählung über Jesu Einzug: Da nach Lukas aus eben genanntem Grund nur die Jünger Jesu Gott loben und preisen, weitet er hier seine Erzählung nun weiter aus mit der Bitte eines anwesenden Pharisäers an Jesus, seine Jünger doch auch zum Schweigen aufzufordern. Es gibt wohl auch ihrer Meinung nach offensichtlich keinen Grund für den Jubel der Jünger. Darauf antwortet Jesus: Ich sage euch: Wenn diese (also seine Jünger, seine Anhänger) schweigen werden, so werden die Steine schreien. Jesus will damit sagen: Es wird unmöglich sein zu verschweigen, dass Gott mit mir zum Heil und zum Frieden der Menschen gekommen ist. Eher werden es Steine herausschreien.

Unwillkürlich habe ich viele Bilder von Ereignissen vor Augen, wo versucht wurde, Menschen daran zu hindern, Jesu frohe Botschaft zu verkünden, von ihm und über ihren Glauben an ihn und ihre Erfahrung mit ihm zu erzählen. Wer in der ehemaligen DDR lebte, weiß, wie die damals Mächtigen des Staates und ihre Ideologen gegen solche Christen vorgingen. Religion und Kirche sollten aus dem öffentlichen Bewusstsein und aus dem alltäglichen Leben verdrängt werden, wenn man sie schon nicht beseitigen kann. Um Christen daran zu hindern, über ihren Glauben außerhalb der Kirchenmauern und der Familie zu erzählen und ihren Glauben zu leben, war ihnen fast jedes Mittel recht. Einerseits ausgrenzen, Mobbing, diffamieren, mundtot machen, einsperren. Andererseits eine sozialistisch, atheistisch geprägte Feierkultur und Kultur des Zusammenlebens in Ehe, Familie, Brigade, Hausgemeinschaft, Konfliktkommission usw. etablieren. Das gelang durchschlagend gut, weil sie dabei religiöse Elemente der christlichen Riten, Sitten und Gebräuche aufgenommen und der eigenen Ideologie angepasst haben, um die irgendwie gearteten religiösen Bedürfnisse, die ein jeder Mensch hat, zu bedienen. Ziel war es, die Menschen auf diese Weise für sich zu gewinnen und den Kirchen so das „Wasser abzugraben“. Auch wenn dies alles eine kolossal umfassende Wirkung entfaltete, die sich auch darin zeigt, dass die Menschen in der ehemaligen DDR bis heute nahezu resistent geblieben sind gegenüber dem missionarischen Wirken der Kirchen, so lassen sich nach wie vor Christen nicht entmutigen, ihren Glauben an Jesus Christus auch öffentlich zu bekennen, ihn zu leben und Gott als den Grund und die Quelle ihres Lebens zu loben, zu preisen und zu feiern.

Überall in der Welt – ob heutzutage oder in den vergangenen nahezu zweitausend Jahren –, Christus wurde nie verschwiegen, auch nicht in Ländern, wo sie wegen ihres Bekenntnisses zu Christus verfolgt und ihres Lebens nicht mehr sicher waren und sind. Denn sie können gar nicht anders, als von ihm zu erzählen, von dem, der sie zu einem neuen Leben befreite und sie gewiss macht, von Gott getragen und für immer geborgen zu sein.

Mir und vielen anderen haben immer wieder Jesu Worte geholfen, die er nach seinem Einzug in Jerusalem gesagt hat: Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte werden nicht vergehen (Lk 21,33). Dies ist ein tröstliches Wort, wenn der Mut und die Kraft sinken, sein Wort zu verkünden trotz aller Widerstände, Drohungen und Repressalien und auch trotz vermeintlicher Vergeblichkeit und Erfolglosigkeit unseres Wirkens in unserer Kirche. Er ist´s, der in unserer Schwachheit und manchmal auch Mutlosigkeit und Kraftlosigkeit durch diese Zusage den Druck von uns nimmt. Dass sein heilsames Wort unter die Leute kommt und wirkt, hängt ja entscheidend nicht von uns ab, auch wenn er uns mit seinem Missionsbefehl aufgetragen hat, in alle Welt zu gehen, alle Völker zu lehren und sie zu taufen (Mt 28,19f). Denn, so seine Zusage an uns: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Ja, es soll alle Welt erfahren, wer dieser Jesus ist, nämlich der, der Heil und Leben mit sich bringt, wie wir es in einem Adventslied besingen (EG 1,1). Doch er selbst sorgt dafür, dass dies geschieht, auch durch uns.

Deshalb weist Jesus die Bitte des Pharisäers mit den Worten zurück: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien. Jesu frohe Botschaft, Gottes Barmherzigkeit und sein heilsames Wirken wird der Welt niemals verborgen bleiben, sondern wird weitererzählt werden.

 


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