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Mai 2021

 

Gedanken zum Monatsspruch Mai
 

Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen! (Sprüche 31,8)

Eigentlich ein gut 2.700 Jahre alter Ratschlag einer Mutter an den Sohn, der als ein guter König und Regent sein Volk regieren soll: „Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen!“
Jetzt steht er in der Bibel im Buch der Sprüche. Als Gottes Wort an Sein Volk Israel - und nicht zuletzt an uns. Wir haben durch Jesus Christus ja Anteil bekommen an Gottes Verheißungen, Seiner Gnade und Barmherzigkeit. Und an Seinen (An-)Weisungen auch.

Noch einmal: „Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen!“ Nicht immer sind Gottes Worte so klar. So praktisch und umsetzbar. Gott sagt hier: ‚Tu, was ich tue - und schon immer getan habe. Schau zurück auf Deine Lebensgeschichte. Schau zurück auf die Geschichte deines Glaubens. Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten in der Sklaverei gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört. Ich habe mich für ihr Recht eingesetzt. Ich habe sie befreit. Schau auf meinen Sohn Jesus Christus. Er hat denselben Blick der Barmherzigkeit wie ich: Er sieht die Menschen wie Schafe, die keinen Hirten haben - und bietet ihnen Orientierung an. Mach’s wie Er.‘

Die Worte aus den Sprüchen Salomos treffen uns in einer Zeit, in der die Verantwortung für die Stummen und Benachteiligten, die mit und neben uns leben, gerne in die Schuhe anderer geschoben wird: ‚Lass das mal die Profis machen. Die können das besser als wir.‘ Aber Gott entlässt uns nicht so schnell aus unserer Verantwortung.

Jesus macht mit zwei Geschichten deutlich, wie Gott in dieser Frage denkt. Er erzählt die Geschichte vom barmherzigen Samariter. Und schließlich das Gleichnis vom Weltgericht, wo der Menschensohn die Schafe von den Böcken scheidet. In beiden Geschichten geht es um die Fragen: ‚Wer ist mein Nächster?‘ und ‚Wo ist Gott?‘
Die Antwort, die Jesus gibt, lautet: ‚Dein Nächster ist der, der dir begegnet. Der deine Hilfe braucht. Und in ihm begegne ich dir.“
Das kann der Mitarbeiter sein, der neben uns im Job gemobbt wird.
Oder die ältere Dame, die nach dem Tod ihres Mannes vereinsamt und jetzt in der Krise niemanden hat.
Es kann jemand sein, der zu uns in die Kirche kommt. Neu in der Stadt. Ohne Kontakte. Und vielleicht ein wenig überfordert mit so viel Neuanfang.

Vor über zwanzig Jahren nahm ich einen Auftrag in der Gehörlosenseelsorge an. Für mich eine Arbeit in einer komplett neuen Welt, die ich als Hörender und die wir als Kirche so nicht wahrgenommen hatten. Gott hatte mir diese Menschen auf den Weg gestellt, ohne dass ich die Qualifikation dafür hatte. In den acht Jahren, die ich diesen Dienst tat, wollte ich diesen Menschen Aufmerksamkeit und Respekt zeigen, ihnen eine Stimme in Kirche und Gesellschaft geben. Mit meinen Kollegen habe ich versucht, ihnen Gottes Wort als Fundament für ihr Leben lieb zu machen und ihnen Orientierung zu geben.

Im Rückblick auf diese Zeit bin ich froh über diese Herausforderung, vor die mich Gott damals gestellt hat. Und Eines habe ich gelernt: Es geht nicht zuerst darum, das moralisch Richtige und Gute zu tun. Zuerst geht es darum, was Gott für mich getan hat: Er hat für mich Armen mit Seinem Sohn am Kreuz auf Golgatha das getan, was mich rettet. Er schenkt mir Vergebung. Und ein neues Leben, in dem Er mir jeden Tag treu Seine Liebe erweist. Deshalb kann es nur meine Antwort sein, dass ich diese Liebe denen erweise, die sie nötig haben. Ganz gleich wer es ist. Und wann und wo.

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