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25.07.2010

Aktivurlaub in Babel


EINS

Eigentlich befinde ich mich gedanklich mitten in einer Predigtreihe über Hebräer 11. Hebräer 11 ist ein faszinierend dichtes Kapitel in der Bibel, in dem es sich um die Frage dreht: Was ist Glaube praktisch!

Und der Mensch, der dieses Kapitel geschrieben hat, (ich nenne ihn, da er seinen Namen nirgendwo nennt, immer gern den „Seelsorger“), der ist von der Überzeugung getragen: Glaube ist Dir weder in die Wiege gelegt, noch hast Du ihn mit der Muttermilch eingesogen; sondern Glaube ist eine Möglichkeit, die Möglichkeit Deines Lebens! Und für Möglichkeiten musst Du Dich entscheiden. Du musst Dich entscheiden, entweder zu glauben oder das nicht zu tun!

Und der Seelsorger sagt das in diesem 11. Kapitel sehr konkret:

Glaube ist Deine Chance, das Leben zu gewinnen! Das Leben, das untrennbar mit Jesus verbunden ist. Das Leben von dem Jesus sagt: „Ich bin gekommen, um ihnen das Leben in seiner ganzen Fülle zu schenken (Johannes 10,10 NL).

Glaube heißt wachsendes Vertrauen zu Jesus und hineinwachsen in dieses Leben in Fülle, das Er schenkt!

Und in Hebräer 11 findest Du so was wie Glaubensbiographien, ein Kapitel prallvolles Leben, das Dich einlädt, Dich mit diesen Persönlichkeiten näher zu beschäftigen - und zu sehen, ob da was für Deine Glaubenspersönlichkeit abfällt, was Dir hilft, Vertrauens-, Glaubens- und Wachstumshindernisse in Deinem Leben einzuschränken und abzubauen!

An den vergangenen Sonntagen haben wir Noahs Glaubenspersönlichkeit intensiv kennengelernt. Und eigentlich wollte ich heute mit Abraham und Sara weitermachen. Aber wenn Sie in der Bibel im 1. Buch Mose so einfach von Noah nach Abraham weiter blättern wollen, dann stellen Sie fest: Da wo es mit Noah als beispielhafter Persönlichkeit des Glaubens aufhört und es jetzt eigentlich mit Abraham als Beispiel für einen risikofreudigen Glauben weitergehen sollte, türmt sich plötzlich ziemlich zickig und widerständig eine Geschichte auf, die zunächst unangenehme, aber dann sehr heilsame Fragen laut werden lässt: Die Geschichte vom Turmbau zu Babel.

Machen Sie heute Abend mit mir ein wenig Aktiv-Urlaub in Babel!

Spüren Sie mit mir zusammen Bauprojekte unseres Lebens auf, die so keine Zukunft haben. Projekte, in denen wir wertvolles Potential, kostbare Energien und Ressourcen verpuffen lassen.

Lassen Sie Ihre Aktivitäten auf Ziele und Projekte lenken, die Zukunft haben!

Und ich will Ihnen gleich etwas sagen, was auf jeden Fall Zukunft hat: Beziehungen! Beziehungen haben Zukunft! Und es gibt kaum etwas, das in unserem Alltag (egal, ob das Ihr privater Familienalltag, Ihr Berufsalltag oder hier unser Gemeindealltag ist) gefährdeter ist als Beziehung! Selbst Urlaub ändert daran nichts! Im Gegenteil!

Wussten Sie, dass sich die Streitdauer deutscher Paare im Urlaub um sagenhafte 50 Prozent erhöht? Dass nur jedes zehnte Paar den Urlaub wirklich harmonisch verbringt. Dass über 20 Prozent derart streiten, dass sie am Sinn der Beziehung zweifeln. Dass jede dritte Scheidung in Deutschland nach einem Urlaub eingereicht wird.

Das ist das Ergebnis einer Studie der Gesellschaft für rationelle Psychologie in München. Und es gibt auch Ursachenforschung! Ich will hier heute aber kein Eheseminar anbieten. Denn diese Ursachen sind auch nicht auf einen Ehealltag einzugrenzen, sondern ich bin mir sicher, dass Sie Gültigkeit für unseren ganz normalen Beziehungsalltag haben! Und ich lade Sie ein, aktiv zu werden und die entscheidenden Beziehungen Ihres Lebens zu gestalten und gestalten zu lassen!

Wir haben einen großartigen Gott und Himmlischen Vater, der es liebt, wenn Seine Geschöpfe und Kinder ihr Leben als Seine Gabe und Geschenk entdecken und beginnen, es ihm Glauben an Ihn zu entfalten!

ZWEI

Vor einiger Zeit habe ich Ihnen in der AbendKirche schon einmal von Sisyphos erzählt. Sisyphos schiebt seinen Felsen, das Projekt seines Lebens, seine Lebensbaustelle vor sich her auf den Gipfel zu - und immer, wenn er ihn fast erreicht hat, - den Gipfel, den Moment der Entscheidung, wo das Ziel erreicht sein könnte, wo alles anders werden könnte, wenn das Ding nur mal liegen bleiben würde, - rollt der Fels, sein Projekt, seine Lebensbaustelle über ihn hinweg zurück in die Niederungen des Alltags. Und alles beginnt von vorn!

Haben Sie auch solche Baustellen, die immer wieder auf Sie zurückfallen?

Und erleben Sie das auch: Wenn es auf der einen Baustelle gerade prima läuft, vielleicht beruflich, dann bricht familiär irgendwas zusammen - oder es ist genau umgekehrt!? Selbstverständlich gibt es auch die Möglichkeit, dass auf beiden dieser Baustellen Ausnahmezustand herrscht!

Haben Sie gerade eine ausgesprochen gute Zeit mit Ihrem Partner, Ihrer Partnerin, wird es problematisch mit den Kindern!? Oder ist es gerade anders herum?

Haben Sie wochenlang gegen eine Ihrer schlechten Angewohnheiten angekämpft und durchgehalten, wollen Ihren Sieg auskosten - und stehen wieder ganz am Anfang!?

Und jetzt mal Hand aufs Herz:

Stört uns dieser nervenaufreibende Kreislauf denn so sehr, dass wir wirklich mal aufrichtig und wahrhaftig versuchen, etwas daran nachhaltig zu ändern? Oder reden wir uns raus? Stecken wir den Kopf in den Sand und derartige sich wiederholende Erfahrung in die Schublade für lästige, aber leider unvermeidliche Kleinigkeiten? Und da muss man durch. Hauptsache der Rest funktioniert irgendwie! Und für die wirklich entscheidenden Beziehungen meines Lebens werde ich dann irgendwann schon Zeit haben! Es wird ja auch mal wieder besser mit der Zeit!

Was waren denn noch mal die wirklich entscheidenden Beziehungen meines Lebens? Meine Frau? Oder brauchen mich die Kinder mehr? Die Großen oder die Kleine? Wann habe ich eigentlich das letzte Mal bei meinen Eltern angerufen?

Kennen Sie diese Fragen? Und kennen Sie die Antwort, die Jesus für uns hat?

Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen, mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand. Dies ist das größte und erste Gebot. Das zweite aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Matthäus 22,37-39)

Das sind die drei entscheidenden Beziehungen unseres Lebens: Die Beziehung zu Gott, die Beziehung zu unseren Nächsten, die Beziehung zu uns selbst!

Und wenn wir diese drei entscheidenden Beziehungen, denen alle Aktivitäten auf unseren Lebensbaustellen gelten sollen, nicht klar vor den Augen des Herzens haben, dann wird unser Versuch, dieses großartige Geschenk Leben zu gestalten zu können, immer dem Versuch eines Holzhackers ähneln, der einem Berg Holz mit einem stumpfen Beil zu Leibe rückt und auf die Frage sagt, ob er die Axt nicht mal schärfen wolle: „Keine Zeit! Ich muss Holz hacken!“

Sehen Sie: Sisyphos schaut nicht mal nach, was da in dem entscheidungsvollen Moment passiert, wenn ihn kurz vor dem ersehnten Ziel ständig sein Projekt Leben wieder ins Tal hinunterzieht - und ob man da was ändern könnte.

Und im Tal sucht er sich keine Hacke, um damit sein Felsgewicht in kleinere Einheiten zu zerklopfen und diese dann Stück für Stück nach oben zu tragen.

Nein, wir sind nur selten zu faul, wenn es darum geht, das Projekt Leben in die Hand zu nehmen!

Aber wir sind zu träge, nach den Gründen zu forschen, warum es uns so oft damit nicht gelingt! Denn wir ahnen, dass es mit den drei entscheidenden Beziehungen unseres Lebens zu tun hat, an denen wir etwas ändern müssen, das uns auch verändern wird!

Anfang des Jahres hatte ich die Möglichkeit, mehrere Vorträge von Dr. Larry Crabb zu hören. Crabb ist klinischer Psychologe und christlicher Seelsorger. Er ist 66 Jahre alt. Und seine Hauptfrage in seinen Vorträgen war: Wie denkst du wirklich über dein Projekt Leben? Und er sprach darüber in einer für einen Amerikaner schonungslosen Offenheit.

Er sprach über die Schwierigkeiten in seiner Ehe. Er sprach über gutgemeinte, aber gescheiterte Erziehungsversuche an seinen Kindern und über seine Krebserkrankung.

Er erzählte von dem Tag vor seiner Operation, wie er aus dem Fenster auf die Straße sah, wo das Projekt Leben ablief, ein Projekt, an dem er einmal so beteiligt war und vielleicht nie wieder so daran teilnehmen können würde wie vorher.

Und dann rief sein Mentor an, der Mensch, mit dem Larry über sein Leben und seine Arbeit und auch über sein geistliches Leben, sein Leben mit Gott sprach., Larry hatte so auf diesen Anruf gewartet; er brauchte einfach einen Trost, wollte sich ausheulen, wie ungerecht das alles ist. Wollte hören, das jemand verstand, wie arm dran er ist.

Und sein Mentor sagte: „Larry, ich wollte mit dir zusammen Gott dafür danken, dass Er dich so sehr segnet, dass du in deiner Krankheit Seine Größe und Güte erleben darfst!“

Ein Satz hart wie ein Diamant in dieser Situation! Aber für Larry ein entscheidender Satz! An diesem Abend las er Johannes 17, Jesu Gebet für Seine Jünger. Sein Gebet nicht nur für die 12 damals. Sondern für alle bis heute - auch für Larry und für Sie und für mich! Und er las Vers 3: „Das aber ist das ... Leben, dass sie, dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus erkennen!“ (Johannes 17,3)

Was ist Dein Leben? Dass Du da draußen mitmischen kannst? Dass Du hier mitmischen kannst? Dass Du gesund bist? Dass ich hier predigen kann? Dass Du wenigstens ein bisschen Freizeit hast? Dass mein Partner, meine Partnerin mich liebt? Dass ich den Kindern ein Leben biete, für dass sie mir eigentlich Respekt und Dankbarkeit schulden? „Das aber ist das ... Leben, dass sie, dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus erkennen!“

Gott hat uns nicht sisyphoslike erschaffen, sondern zu Seinem Bild! Dass wir Ihn erkennen können und den, den Er gesandt hat: Jesus Christus!

Auch wenn ich mich wiederhole: Die entscheidende Einsicht unseres Leben ist die:

Jesus steht an der Tür des Herzens, an der Tür zum Planungsbüro unseres Projekts Leben und klopft an. Und wir kommen an der Frage nicht vorbei, ob dort Raum für Ihn ist oder nicht!

Wenn nicht, kehren wir wie Sisyphos immer nur zu uns selbst zurück - zu unserem Projekt Leben, zurück unter das Gewicht der gescheiterten Phasen dieses Projektes, zurück in zunehmend angegriffene Beziehungen, zurück in zunehmend angegriffene seelische und körperliche Gesundheit!

Wenn ja, wird die heilende Kraft der Gemeinschaft mit Ihm unsere Beziehungen und unser Leben verändern!

DREI

Ich hatte Sie zu ein wenig Aktiv-Urlaub in Babel eingeladen! Ich bin mir sicher, dass Sie Babel längst gut kennen. Viel Zeit unseres Lebens, wenn nicht die meiste Zeit verbringen wir dort!

In Babel ist man niemals faul. In Babel wird Leben gebaut! Hier werden ständig wertvollstes Potential, kostbarste Energien und Ressourcen eingesetzt.

Die Bibel beschreibt das mit einem einzigen, unglaublich dicht formulierten Satz, was man in Babel will: „Lasst uns eine Stadt und einen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reiche, damit wir uns einen Namen machen; denn wir werden sonst zerstreut in alle Länder!“ (1. Mose 11,4)

Sehen Sie, ich bin davon überzeugt, dass es Orte und Momente in unserem Leben gibt, an denen es so läuft wie in Babel! Orte und Momente, an und in denen wir meinen, alles daran setzen zu müssen, uns einen Namen zu machen, uns eine Bedeutung zu geben, uns so gut es geht unübersehbar und unvergesslich zu machen!

Wenn ich heute junge Menschen fragen, was sie in ihrem Leben erreichen möchten, dann bekomme ich häufig die Antwort: Ich möchte, dass nach meinem Tod andere häufig und gern an mich denken! Die Welt ist mein Spiegel, in dem ich gut aussehen und mir Peinlichkeiten ersparen muss!

Das ist Babel: Gut aussehen müssen! Gut scheinen müssen! Nicht gut sein! Neulich machte mich jemand auf die hohen Einschaltquoten von Sendungen wie Peter Zwegert (Raus aus den Schulden) und Katia Saalfrank (Super-Nanny) aufmerksam. Solches „Reality-TV“ braucht man in Babel, weil man so noch unter sich sehen kann und dann das zweifelhafte gute Gefühl haben darf, dass es Leute gibt, denen es noch schlechter geht als einem selbst! Dann ist man zwar nicht wirklich gut, aber auf jeden Fall besser dran als die! Haben Sie auch schon mal so gedacht? Wenn ja, dann kennen Sie ja Babel!

Und dann wissen Sie auch, dass Babel für die Beziehungsebene ein ganz schwieriger Ort ist. Für eine Beziehung zu Gott hat man da keine Zeit und keinen Sinn! Die Beziehung zum Nächsten (und wir sind ja alle Nächste), spielt da nur insoweit eine Rolle, wie uns der Nächste (oder wir dem Nächsten) zum persönlichen Weiterkommen nützen! Und die Beziehung zu sich selbst ist auch schwierig, wenn die ganze Welt mein Spiegel ist, in dem ich immer gut aussehen muss!

Aber bitte: Wir sind jetzt nicht in Babel. Wir sind hier in der Kraft und Gegenwart unseres Herrn, der uns zu einer lebendigen und persönlichen Beziehung zu Ihm erschaffen und gewollt hat! Deswegen können wir hier und jetzt hören, wie der Heilige Geist in unser Herz spricht, wie Jesus mit den Worten unseres Vaters im Himmel an die Tür zum Projektbüro unseres Lebens klopft. Er sagt:

Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen ... und dich gemacht hat ...: (nicht Dein Vorgesetzter; nicht Mitglieder Deiner Familie, die im Moment vielleicht nur Erwartungen an Dich haben; nicht jemand, dem Du es nie recht machst, sondern der Herr, der Dich geschaffen und gemacht hat zu einem Bild seiner Güte!)

Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! .... in meinen Augen so wert geachtet und herrlich ... weil ich dich lieb habe! (vgl. Jesaja 43,1ff.)

Bitte nutzen Sie diesen Augenblick!

Wo ist Ihr persönliches Babel, wo sie sich einen Namen machen müssen, sich auf dem Markt der Bedeutung und der Eitelkeiten hochpreisig anbieten müssen?

Hier müssen Sie das nicht; Gott kennt Ihren Namen längst!

Wo ist Ihr persönliches Babel, wo Sie andere als Spiegel brauchen um zu sehen, wie hoch Ihr Wert steht. Wo Sie unter Opfern und Anstrengungen, unter Aufgabe Ihrer Wahrhaftigkeit ein Bild abgeben sollen, das Sie gar nicht sind!

Gott lässt Sie jetzt kristallklar sehen, wer Sie sind: Sein Geschöpf! Ein Bild Seiner Liebe. Ein Bild Seiner Gnade. Ein Bild Seiner Güte! Wert geachtet. Herrlich. Geliebt!

Und wenn Sie jetzt daran denken, dass Sie vielleicht morgen wieder in Ihr Babel müssen, dann sagt Ihnen Gott mit dieser Geschichte etwas Anderes. Er sagt: Sie müssen nicht! Mein, Ihr, unser persönliches Babel hat a) keine Zukunft und es gibt b) hier und jetzt eine Alternative!

Gott hat dem Lebensbauprojekt Babel ein Ende gemacht! Die Bibel sagt: Er hat es zerstreut! Unser Babel, wo es auch sein mag, hat keine Zukunft. Darum sollten wir ihm auch nicht erlauben, letzte Worte über unser Leben zu sprechen. Und wir sollten aufhören, dort auf etwas zu bauen!

Denn wir können unser Leben da bauen, wo es sich lohnt und wo es gelingt! Auf Golgatha! Dort ist Gottes Lebensbauprojekt! Dort baut Gott das Fundament, die Grundlage des Lebens der Gemeinde und des Einzelnen. Ihres, meines, unseres Lebens!

Dort wird Gott aktiv für die entscheidenden Beziehungen unseres Lebens: die Beziehung zu Ihm, die Beziehung zum Nächsten und die Beziehung zu uns selbst!

Dort wirkt die verändernde und heilende Kraft der Gemeinschaft in unser Leben und in unsere Beziehungen hinein! Ich werde Ihnen das gleich an drei der letzten Worte Jesu am Kreuz deutlich machen.

VIER

1.

Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lukas 23,43), sagt Jesus. Wenn Er spricht, dann schweigen unsere Babel-Ambitionen! Und Er spricht heute, jetzt! „Heute wirst du mit mir im Paradies sein!“

Jesus sagt diesen Satz am Kreuz! Eines Seiner letzten Worte richtet sich an einen Menschen, der wie Sie und ich gewohnt ist, sein Leben in Babel zu bauen!

Sie richten sich an einen Menschen, der es in Babel weit mit sich hat kommen lassen. In dieser konkreten Situation, die Lukas hier schildert, hängt er neben Jesus am Kreuz; er hängt am letzten Zipfel seines Leben und trägt überdies das ganze Gewicht, die ganze Last seiner falschen Entscheidungen, der nicht genutzten Chancen, seine Axt zu schärfen und aus Babel auszusteigen. All das trägt er.

Wir tragen das vielleicht auch. Deswegen lasst uns hier gut hinschauen! Ich habe das vorhin gesagt: Hier ist nicht Babel! Hier ist Golgatha!

Hier ist Gottes Lebensbauprojekt! Hier baut Gott das Fundament unseres Lebens! Das Fundament, das trägt! Hier wird Gott aktiv für die entscheidenden Beziehungen unseres Lebens! Hier wirkt die verändernde und heilende Kraft Gottes in unser Leben und in unsere Beziehungen hinein!

Wenn wir uns manchmal fragen, wo denn der Heilige Geist wirkt: Er wirkt hier auf Golgatha - und Er wirkt in einem Babel-Menschen, der sein ganzes Leben mit nichts anderem zugebracht hat, als die Risse in seinem Lebensfundament zuzukleistern, damit andere und er selbst sie nicht ansehen müssen.

Ob er mit Altersvorsorgeplänen oder Kontoauszügen, mit den Titeln und Ämtern seines Lebenslaufs gekleistert hat, spielt da keine Rolle mehr. Es ist in diesem Moment bedeutungslos.

Ob wir den nie endenden Ansprüchen unseres Chefs gerecht geworden sind, ob wir’s der schwierigen Verwandtschaft immer recht gemacht haben, all das wird in diesem Moment niemanden mehr beeindrucken.

Niemand wird mehr wissen, welche Kleider, Schuhe, Anzüge in Ihrem Schank gehangen haben, welche CDs und Bücher in meinen Regalen versammelt waren oder welche Autos in unseren Garagen standen. Und selbst die vielen Wünsche unserer Kinder, die wir ihnen in materieller Hinsicht vielleicht erfüllen konnten, werden nicht mehr von Belang sein.

Wenn wir am Ende unseres Lebens ankommen - und das werden wir dann oder wann: Was werden wir uns dann wünschen, worum es in unserem Leben gegangen sein soll? Was wird uns in Gottes Augen reich machen?

Dieser Babel-Mensch mit seiner ganzen Last seiner falschen Entscheidungen, der nicht genutzten Chancen sagt: „Herr, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!“ (Lukas 23,42). - Und Jesus antwortet ihm: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“

Und in diesem Moment fällt das ganze Gewicht seiner falschen Lebensentscheidungen, seiner Schuld von ihm ab. Es fällt auf Jesus. Und Er trägt es.

Und Er trägt auch das, was wir jetzt bei Ihm ablegen, wenn wir Ihm sagen: Gedenke an mich! Ich brauche Deine Gedanken der Liebe, der Gnade und Barmherzigkeit, die mir Kraft geben. Die mir Vollmacht geben, ein Kind des Himmlischen Vater zu sein und als Sein Kind zu leben. Das macht reich vor Gott. Das hat Bestand.

Auf Golgatha bekommen wir von Jesus diese Liebe, die uns dazu befreit, endlich dieses Babel-Auftürmen für mich selber aufgeben und können und zu beginnen, an Gottes Reich mitzubauen! Wissen Sie, Babel baut streng vertikal nach oben! Manchmal spüren wir die Last von all dem, was in Babel auf unseren Schultern ruht! - Aber Gott baut Sein Reich horizontal - von Herz zu Herz - wie ein Netz über diese Erde. Das macht reich vor Gott. Das hat Bestand: Die Liebe Jesu, von der ich lebe, an andere weiterzugeben.

2.

Und davon spricht das zweite Wort, das ich Ihnen heute ans Herz legen will. Und es ist ein Wort, das sagt, wo Gott Gemeinde und Gemeinschaft baut! Es sagt: Gemeinde, Gemeinschaft beginnt auf Golgatha!

Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.“ (Johannes 19,26+27)

Jesus stiftet auf Golgatha elementare und heilende Beziehungen. Und Er erwartet von Seiner Gemeinde, dass das genauso dort geschieht!

Ich bin dazu da, dass andere an mir heil werden! Ich bin nicht dazu da, meinen Babel-Ambitionen nach zugehen, wo die anderen meine Trittbretter auf den Stufen zu einem fragwürdigen Ruhm und zu einer zweifelhaften Bedeutung sind!

Hier zählen nicht unsere Ambitionen, sondern die Prinzipien des Reiches Gottes! Und das ist ein Reich der Gnade! Und gerade auf Golgatha sehen wir, dass Gnade nicht billig ist, sondern kostbar und teuer! Ihr gilt unsere ganze Aufmerksamkeit und Konzentration.

Wir stellen Jesus in die Mitte! Wir wollen, dass andere Menschen bei uns Jesus in der Mitte sehen. Wir wollen, dass Menschen im Namen Jesu aus ihren Babel-Fesseln befreit werden. Und das wollen wir mit allem Fleiß und Arbeitseifer für Jesus, der dazu gehört!

3.

Gemeinde ist kein Ort, an dem nur gewollt und nicht gekonnt wird. Denn Jesus sagt noch ein drittes Wort!

Er sagt: „Es ist vollbracht!“ (Johannes 19,30)

Was kann man vollbringen? Eine Arbeit! Eine Leistung! Ein Projekt!

Jesus vollbringt ein Werk. Er hat auf Golgatha das Werk Gottes vollbracht.

Auf Golgatha wird deutlich, wer Du bist!

Du bist nicht Sisyphos! Deine Last kannst Du bei Jesus lassen!

Du bist kein unverzichtbarer Teil irgendeiner Babel-Maschinerie!

Aber Gott möchte nicht auf Dich verzichten! Sein Ziel ist, dass Du das wirst, wozu Du geschaffen bis nach Seinem guten Plan: Sein Kind! Gott hat dieses Werk, die Realisierung Seines Plans voller Hoffnung und Zukunft für uns auf Golgatha begonnen.

Haben wir das immer klar und deutlich vor Augen? Dass Gott in uns ein Werk begonnen hat, das, was auch geschieht, einmal fertig und gut, sehr gut sein soll?

Nicky Gumble, Pastor in London, erzählte einmal von einem Ehepaar. Als die beiden heirateten, waren sie als Christen aktiv in ihrer Gemeinde. Aber nach sieben Jahren gab es dort einen Konflikt, der dazu führte, dass die Frau sich vom Glauben an Jesus abwendete und über 15 Jahre lang weder etwas mit Kirche und Gemeinde noch mit Glaube zu tun haben wollte.

Es müssen nicht Konflikte in der Gemeinde sein, die uns das Ziel, das Gott mit uns und unserem Leben hat, undeutlich und verschwommen werden lassen. Es können familiäre und berufliche Konflikte sein. Es können Schicksalsschläge sein oder Krankheit; es können falsche Prioritäten sein, die wir in einem unbedachten Moment gesetzt haben. Und man muss auch nicht unbedingt einen Schlussstrich unter die Beziehung zu Gott gezogen haben, um den Kurs zu verlieren, die Leidenschaft, den Fleiß!

Aber die Geschichte geht weiter: Gott hat dieses Ehepaar so geführt, dass die Frau den Weg zu Jesus und zu seiner Gemeinde wieder zurück fand. Sie sagte Nicky Gumbel im Gespräch, das sei das Erstaunlichste für sie, dass Jesus sie nach all den Jahren und all den bösen Worten gegen ihn und seine Familie noch haben wolle. Und sie bedauere nichts mehr als diese vergeudete Zeit, in der sie nicht an Seiner Seite gestanden habe!

Paulus schrieb mal an die Gemeinde in Philippi: „Ich bin in guter Zuversicht, dass Gott, der in euch das gute Werk angefangen hat, es auch vollenden wird“ (vgl. Philipper 1,6 NL).

Gott hat Dich heute von Babel nach Golgatha geführt. Und Du musst nicht zurück! Du kannst bleiben - im Zentrum Seiner Liebe, unter der heilende Kraft Seiner Gnade. Gottes Beziehung zu Dir steht! Paulus sagt: „Sind wir untreu, so bleibt Er doch treu!“ (2. Timotheus 2,13)

Er hat Dich mit Gaben und guten Leidenschaften beschenkt, die ein Segen für die Beziehungen sein werden, in denen Du lebst. Und Er schenkt Dir die Liebe, die Du dazu brauchst! In Babel findest Du sie nicht! Aber in Ihm! Amen.

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