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Abendkirche

10.03.2019 (18:00)


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Passionszeit - mehr als 7 Wochen im kirchlichen Kalender?

Passionszeit - was fängt der Kirchenchrist 2019 damit an?
Wöchentliche Passionsandachten, wie sie früher an allen Predigtstätten gehalten wurden, bieten die Gemeinden heute nur noch an wenigen Orten an. Sie werden kaum noch besucht. Der Christ unserer Tage will sich mit der Passion Jesu nicht mehr groß beschäftigen. Die Nachrichten aus Zeitung, Funk und Fernsehen liefern täglich so viel Beängstigendes und Schockierendes, konfrontieren uns mit menschlichem Leid in der Ferne und Nähe. Das erzeugt in uns den Wunsch, doch eher getröstet, erbaut und motiviert zu werden als uns in eine alte Leidensgeschichte zu versenken.

Dabei spielt diese Geschichte im Neuen Testament die entscheidende Rolle! So bezeichnete der Theologe Martin Kähler im 19. Jahrhundert die Evangelien als „Passionsgeschichten mit ausführlicher Einleitung“. Allein mit dem Begriff „Passion“ verbinden wir heute einen anderen Klang und eine andere Bedeutung: Er ist ein „passionierter“ Briefmarkensammler, sie eine „passionierte“ Reiterin. Die Passion, die sie antreibt, ist ihre „Leidenschaft“, ein Gefühl, das mit Leiden wenig zu tun hat!
Aber hat das, was im Neuen Testament eine so zentrale Bedeutung hat, vielleicht doch mehr mit uns zu tun als wir denken? Einer der Passionstexte ist das Gleichnis von den „bösen Weingärtnern“ (Markus 12, 1-12). Darin geht es äußerst brutal zu: von Körperverletzung, Vertreibung und Totschlag bis hin zu Mord aus Habgier. Gleichnisse sind ja keine Protokolle eines realen Tathergangs. Sie bilden menschliche Haltungen und Handlungen ab, die uns nicht fremd sind und die, rücksichtslos ausgelebt wie in diesem Fall, dramatische Folgen haben. Bei Markus werden wir Zeugen eines solchen Dramas. Das Gleichnis hat, wie alle biblischen Gleichnisse, eine Bildebene und eine Sachebene. Auf der Bildebene sehen wir Menschen am Werk, die aus dem niederen Instinkt der Besitzgier die Boten ihres Herrn misshandeln, vertreiben und töten. Auf der Sachebene versteckt sich dahinter antijüdische Kritik: Kritik am Umgang mit den von Gott gesandten Propheten, auf die man nicht hören wollte und die man verfolgte - bis hin zur Auslieferung des Gottessohnes Jesus an die römische Gerichtsbarkeit durch die führende religiöse Kaste. Soweit eine verbreitete Lesart dahinter generalisierend eine Kritik am jüdischen Volk als Ganzem sieht, ist diese Kritik historisch jedenfalls nicht haltbar und hat in der Kirchengeschichte äußerst düstere Kapitel hinterlassen. Das Gleichnis weist aber auf Züge der Akteure hin, in denen wir uns im vergrößerten Maßstab durchaus wieder erkennen können!

In der Abendkirche am 10. März, dem 1. Passionssonntag, möchte Sigrid Hinkelmann uns mit dem Blick in den Spiegel, den das Gleichnis uns vorhält, nicht entmutigen, sondern uns sensibilisieren für einen bewussteren Gottesgehorsam und einen achtsameren Umgang mit den Menschen, die Gott uns auf unserem Lebensweg begegnen lässt.
Für die Musik des Abends sorgen Markus und Bianca Galla aus der Gemeinde Herne-Holsterhausen. Da ist Mitsingen garantiert!

Lassen Sie sich im Anschluss wieder mit einem kleinen Menü verwöhnen und nutzen Sie die Gelegenheit, mit anderen Gästen ins Gespräch zu kommen! Wir freuen uns auf Sie und auf die Freunde oder Bekannten, die Sie mitbringen!

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