Der Preis der Nachfolge
‚Nachfolge‘ so lautet der Titel eines der meistgelesenen Bücher von Dietrich Bonhoeffer. Erstauflage 1937. Dort schrieb er: „Nachfolge ist Bindung an Christus ... Ein Christentum ohne den lebendigen Jesus Christus bleibt notwendig ein Christentum ohne Nachfolge, und ein Christentum ohne Nachfolge ist immer ein Christentum ohne Jesus Christus; es ist Idee, Mythos. Ein Christentum, in dem es nur den Vatergott, aber nicht Christus als lebendigen Sohn gibt, hebt die Nachfolge geradezu auf. Hier gibt es Gottvertrauen, aber nicht Nachfolge. Allein weil der Sohn Gottes Mensch wurde, weil er Mittler ist, ist Nachfolge das rechte Verhältnis zu ihm. … Nachfolge ohne Jesus Christus ist Eigenwahl eines vielleicht idealen Weges, vielleicht eines Märtyrerweges, aber sie ist ohne Verheißung.“
Das Neue Testament selbst ermöglicht seinen Lesern zwei Blickwinkel auf das, was Nachfolge ist bzw. sein soll: Es zeigt zum Einen die vorösterliche, historisch-irdische Nachfolge der Jünger. Diese ‚vorösterliche Nachfolge‘ geschah als Antwort und Gehorsam auf den Ruf Jesu. Der österlichen Nachfolge des Gekreuzigten und Auferstandenen ist aber nun seit Himmelfahrt dieses konkrete physische Folgen Jesu von Galiläa nach Jerusalem nicht mehr gegeben. In der österlichen Gemeinde geht es um die Nachahmung Seiner Lebensart, -einstellung und Seines Lebensstils durch Seine Jüngerinnen und Jünger. Nicht zuletzt sind die Apostelgeschichte und die Gemeindebriefe des Neuen Testaments eine Ausformulierung und Erläuterung von Jesus Ruf in die Nachfolge: „Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.“ (Lk 9,23) So schreibt der Apostel Paulus an die Gemeinde in Ephesus: „Werdet nun Gottes Nachahmer als geliebte Kinder und wandelt in der Liebe, gleichwie auch Christus uns geliebt und sich selbst für uns gegeben hat“ (Epheser 5,1+2).
Von hier aus zieht sich die Nachfolge als Ausdruck christlicher Lebensart wie ein roter Faden durch die Geschichte des expandierenden Christentums: von den Märtyrern in den römischen Arenen über Augustinus und das Mönchtum bis hin zu den Reformbewegungen von Wycliff und Hus. Als das 14. Jahrhundert alle Kennzeichen eines Verfalls des geistlichen Lebens aufwies, war es Thomas von Kempen, der das Thema mit seinem Buch ‚Die Nachfolge (lateinisch: imitatio = Nachahmung) Christi’ aufnahm und eine geistliche Gegenbewegung ins Leben rief. Auch Luther schrieb bereits in seinen Ablassthesen von 1517, das ganze Leben des Christen müsse eine stete Buße sein - und schließt mit der Aufforderung, die Christen zu ermahnen, ihrem Haupt Christus durch Kreuz, Tod und Hölle nachzufolgen. Ähnlich Johannes Calvin und Huldrych Zwingli. Und als sich die geistlich erneuernde Kraft der reformatorischen Bewegung in der lutherischen Orthodoxie verlief, waren es Philip Jakob Spener, August Herrmann Francke und Nikolaus Ludwig von Zinzendorf und viele andere, die mit dem Ruf zur Nachfolge Jesu Kirchen und Gemeinden neue Aufbrüche und neues Leben ermöglichten.
Der biblische Impuls am kommenden Sonntag dreht sich um eine kurze Szene im Lukas-Evangelium, in der Jesus in Sachen ‚Nachfolge‘ eine unbequeme Rechnung aufstellt. Manche Ausleger nennen diese Verse ‚eine abschreckende, erdrückende und unerfüllbare Kostenaufstellung‘. Folgerichtig spricht Christoph Wagner an diesem Abend über den ‚Preis der Nachfolge‘ - wobei ‚Preis’ in beiderlei Bedeutung zu verstehen ist: Sowohl der Preis, der zu zahlen ist (und wer ihn zahlt). Als auch der Preis, der zu gewinnen ist.
Preise verdient und gewonnen hat auch die Musik des Abends. Wir sind gespannt auf einen Abend mit dem vocal ensemble credo unter der Leitung von Dr. Waldemar Lusch. Der Chor, der 1982 in Bottrop gegründet wurde schaut auf eine bewegte Geschichte mit Hunderten von Auftritten und Konzerten im In- und Ausland auf internationalen Festivals und Konzertreisen zurück. Ihr Markenzeichen: Gospelmusik mit Anklängen aus Pop und Jazz und Soul. Bewegende Vortragstitel und die Einladung, unserem auferstandenen Herrn mit der eigenen Stimme die Ehre zu geben, halten sich die Waage.
Im Anschluss wie immer: Zeit für gute Gespräche. Für ‚Gemeinsam Gutes Genießen‘ im Abendkirche Bistro. Wir lassen den Abend entspannt ausklingen - und freuen uns auf Sie und Ihre Gäste, die Sie gern zahlreich mitbringen können.