Abendkirche

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Siehe, ich mache alles neu

 

‚Midnight Train To Georgia‘ ... So heißt der erste Titel auf der Setlist am kommenden Sonntagabend. Bekannt geworden ist er vor allem durch Gladys Knight & The Pips, die damit 1974 nicht nur die Spitze der Billboard Hot 100 erreichten, sondern auch den Grammy Award für die beste R&B-Gesangsdarbietung. Die frühere Veröffentlichung von Whitney Houstons Mutter Cissy geriet damit in den Hintergrund der modernen Musikgeschichte.
Ursprünglich geschrieben wurde dieses Lied als Countrysong von Jim Weatherly, einem Singer und Songwriter aus Nashville. Die Idee dazu kam ihm, als er seinen Freund, den Schauspieler Lee Majors (bekannt durch die TV-Serie ‚Der Sechs-Millionen-Dollar-Mann‘), in Hollywood anrufen wollte. Majors war nicht zuhause. Also erreichte Weatherly nur dessen Frau Farah Fawcett-Majors (bekannt durch ‚Drei Engel für Charlie‘). Die hatte wenig Zeit für ein längeres Telefonat und entschuldigte sich mit dem Hinweis darauf, dass sie einen Mitternachtsflug nach Houston erreichen müsse. Jim legte auf. Und inspiriert durch das kurze Gespräch schrieb er dieses Lied: ‚Midnight Train To Georgia‘ - die Geschichte eines Menschen, der großen Träumen gefolgt war: Hollywood. Erfolg. Glanz und Ruhm – dem Versprechen einer besseren Zukunft. Doch am Ende blieb Ernüchterung. Die Wirklichkeit hielt sich nicht an das, was die Bilder von künftigem Glanz und Ruhm versprochen und verheißen hatten.

Auch unsere Zeit ist voll von Verheißungen. In den Medien zum Jahresbeginn mit stereotypen Bildern von Um- und Aufschwung. Von Erfolg und Sicherheiten. Alternative Medien machen dagegen deutlich: Auch 2026 werden Propaganda, Manipulation und Unwahrheit genutzt, um falsche Überzeugungen zu generieren: Wo das ‚Glück‘ zu finden ist. Wer Vertrauen verdient. Was Fakt ist. Wer Recht hat. Wer schuld ist. Was alternativlos ist. Und wer dazu gehören darf.

Und mitten hinein spricht Gott mit der Jahreslosung: „Siehe, ich mache alles neu.“ (Offenbarung 21,5). - Nur: Gottes ‚Neumachen’ ist kein Hollywood-Traum. Keine Illusion ohne echten Tiefgang. Es ist eher wie ein nächtlicher Zug auf dem Bahnhof. Und wie das Heranwachsen einer Erkenntnis auf dem Bahnsteig: ‚Hier kann ich nicht bleiben.‘ - So wie in der Geschichte, die Jesus erzählt hat. Vom ‚Verlorenen Sohn‘: „Ich verderbe hier … ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen“ (Lukas 15,17f.).
Dieser ‚Midnight Train‘ fährt nicht zu den Hauptsendezeiten. Er fährt, wenn der Lärm nachlässt. Wenn Masken fallen. Wenn wir aufhören, uns selbst etwas vorzumachen. - „Siehe“, sagt Gott. ‚Steig ein. Nicht in die Illusion, sondern in die Wahrheit. Raus aus dem Nebel der Alternativlosigkeiten in die Klarheit.‘ Gottes Zug fährt oft entgegen der Richtung, die sogenannte Mehrheiten vorgeben. Er fährt zur Würde des Einzelnen. Weg von der Angst und hin zur Hoffnung, die trägt. Auch wenn sie leise statt laut ist.
Der Mitternachtszug ist kein Rückzug aus der Welt. Er ist eine Rückkehr zur Wirklichkeit. Zu dem Ort, an dem wir wieder sehen lernen. An den Ort, an dem Gott uns erneuert: Unser Denken. Unser Gewissen. Unsere Hoffnung.
Noch stehen wir auf dem Bahnsteig. Zwischen Lärm und Stille. Zwischen Illusion und Wahrheit. Zwischen Manipulation und Hoffnung.
Und Gott sagt: „Siehe, ich mache alles neu.“ - Der Zug steht bereit. Die Frage ist nicht, wie schnell er ist. Die Frage ist, ob wir einsteigen.

Am kommenden Sonntag in der Abendkirche ist es Pfarrer i. R. Karl-Heinz Gehrt, der uns mit seinem biblischen Impuls zur Jahreslosung 2026 zum Einsteigen einlädt. Er fragt nach: „Was ist ist ‚alt‘? Was ‚neu‘? Ist ‚neu‘ immer besser, stärker, schneller oder effektiver? Wie wirkt sich dieses ‚Immer-auf-Neues-aus-Sein‘ für uns Menschen und die Welt, in der wir leben, aus? - ‚Siehe, ich mache alles neu’? Wer sagt das überhaupt? Und wer kann das sagen, ohne den Mund zu voll zunehmen? Und wie soll das Neu-Machen geschehen?“
Für seine Predigt bei uns verspricht er: „Das Leben Jesu, sein Sterben und sein Auferstehen leuchten diese Fragen tiefer und um so weiter für uns aus. Letztlich eröffnet uns die Jahreslosung einen weiten Horizont und einen hoffnungsvollen Ausblick auf unser Leben und diese Welt.
Es ist ein ‚Lebe-Wort‘. Ein Wort, das seine Stärke entfaltet, wenn wir mit ihm leben. Ein Wort, das uns ein guter Begleiter sein kann für alle Tage in 2026 - egal ob All- oder Feiertag. Wie ein Kompass, der uns immer wieder auf das Ziel ausrichtet.“

An diesem Abend werden wir musikalisch begleitet von einem Mütter-Töchter-Quartet: Annika und Nadia Schüler sowie Sophia Große-Schlarmann und Gabriele Wienand. Neben ‚Midnight Train To Georgia‘ präsentieren sie Titel von Point Of Grace, Anointed u. a. - und laden uns immer wieder ein, mit Herz und Mund dabei zu sein und Gott mit unserem Gesang die Ehre zu geben - für Seine Verheißung: „Siehe, ich mache alles neu.“

Im Anschluss wie immer: Zeit für gute Gespräche. Für ‚Gemeinsam Gutes Genießen‘ im Abendkirche Bistro. Wir lassen den Abend entspannt ausklingen - und freuen uns auf Sie und Ihre Gäste, die Sie gern zahlreich mitbringen können.

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