Prüfet die Geister!
Das schreibt Johannes im Neuen Testament in seinem ersten Brief an den Kreis der Gemeinden, für die er als Apostel zuständig war: „Ihr Lieben, glaubt nicht einem jeden Geist, sondern prüft die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind viele falsche Propheten ausgegangen in die Welt.“ (1. Johannesbrief 4,1).
Für Paulus gehört die „Unterscheidung der Geister“ ganz selbst verständlich zu den Gaben des an Pfingsten ausgegossenen Heiligen Geistes. Eine Art christlicher Grundkompetenz also.
Für Luther war dieses Charisma „der höchste und notwendigste Dienst, die Geister zu unterscheiden.“ Seine Überzeugung lautete: „Wo das Wort Gottes nicht regiert, da ist kein rechter Geist.“ Und von ihm stammt schließlich auch die Aufforderung: „Lasset die Geister aufeinander prallen, aber die Fäuste haltet still“. - Ein leidenschaftliches und wichtiges Plädoyer für eine Debattenkultur. Das erste, was in totalitären Systemen und in Sekten abgeschafft wird, ist die Debatte.
Die re:publica ist eine jährlich in Berlin stattfindende Konferenz zur digitalen Gesellschaft - rund um Netzkultur, Netzpolitik, Weblogs und verschiedenste soziale Medien. Unter den fördernden Partnern finden sich TV-Sender wie ARD, ZDF, arte und RTL. Mit dabei auch viele Bundesministerien neben der Deutschen Bundesbank, der Telekom und Pharmakonzernen wie Pfizer und Roche. Auch Google und TikTok gehören zu den Geldgebern ausgewählter Podien der Konferenz. Solches Sponsoring diene gezielt der politischen Landschaftspflege und der Verbesserung des Verhältnisses zur Zivilgesellschaft.
Ein Beispiel, wie dort gepflegt und verbessert wird, findet sich im Programm der re:publica 2024: Der Beitrag „Was wahr ist – Ein Gespräch zwischen Carolin Emcke und Claudia Kemfert“. Emke ist Philosophin und Publizistin. Kemfert Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Es geht dort eigentlich weniger um das Thema ‚Debattenkultur‘. Mehr um die Thematik ‚Klimawandel und der Umgang damit’. Aber in einem längeren Monolog - immer wieder unterbrochen vom Applaus der Zuhörerschaft - kommt die Philosophin zu einer Aussage, die jegliches weitere Debattieren zur Wahrheitsfindung verdächtig erscheinen lässt: „Es gibt im medial-öffentlichen Raum ein Genre von Pro und Contra. Und ich würde wirklich dazu aufrufen, dass niemand, der eingeladen wird in einer Rahmung, die Pro und Contra heißt, teilzunehmen. … Es muss aufhören, wir müssen aufhören diese Rahmung zu bedienen. Es wird uns beständig vorgemacht, es gäbe zu allen Fragen gleichermaßen wertige, gleichermaßen vernünftige, einander widersprechende Positionen. Das ist, mit Verlaub, einfach Bullshit. … Wir müssen es abschaffen. Es führt genau zu dem, was dann anschließend als Spaltung der Gesellschaft thematisiert wird und wiederum von denselben Talkshows thematisiert wird, die vorher das kreiert haben.“
Der Gemeinde ist „der höchste und notwendigste Dienst, die Geister zu unterscheiden“ aufgetragen und durch die Gabe des Geistes von Pfingsten ermöglicht. Im Blick auf eine umstrittene Darbietung beim Festakt zur Eröffnung der Ausstellung ‚Westfalen 775‘ im Paderborner Dom schrieb der Journalist Alexander Kissler in der vergangenen Woche: „Wo es an der Fähigkeit fehlt, die Geister zu scheiden, da dankt Kirche ab.“
Das bildet den Spannungsbogen unserer Abendkirche ‚Worship ‚& Mission‘ am Pfingstmontagabend mit Pfarrer Achijah Zorn: „Angesichts des Fülle an Informationen und Meinungen in unserer Gesellschaft gilt es, die Kunst zu pflegen, die Geister zu unterscheiden, damit wir als Christen nicht hoffnungslos im Tsunami der Informationsüberflutung untergehen.“ In seinem biblischen Impuls entfaltet er die Mission der Gemeinde sowie „drei elementare und alltagstaugliche Unterscheidungskriterien, mit denen in den Stürmen dieser Zeit Kurs hin zu Jesus Christus gehalten werden kann.“
Für Worship steht an diesem Abend ein starkes Vocal-Quartet aus Annika u. Nadia Schüler, Gabriele Wienand und Dieter Schulze mit bekannten Titeln von Jesus Culture, Hillsong, Keith & Kristin Getty u. a. Das ganze begleitet von der Band der Abendkirche und verbunden mit der Einladung, mit Herz und Mund dabei zu sein und unserem dreieinigen Gott die Ehre zu geben.
Im Anschluss geht es am Montagabend weiter mit Gemeinsam Gutes genießen beim AbendkircheBistro im Kirchenfoyer - und viel Raum und Zeit für Begegnungen, Fragen und gute Gespräche, die Sie und uns weiterbringen.