Worship & Mission

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Sonne der Gerechtigkeit!?

 

Maleachi ist der letzte Prophet des Alten Testaments, durch den Gott zum Volk Israel sprach. Bevor Er sich dann für vierhundert Jahre in Schweigen hüllte. Das Wichtigste war gesagt: „Ich habe euch lieb!“ (Maleachi 1,2) „Ihr werdet den Unterschied sehen zwischen einem Menschen, der mir die Treue hält, und einem Gottlosen; ihr werdet erkennen, welche Folgen es hat, ob jemand mir dient oder nicht.“ (Maleachi 3,18) „Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit.“ (Maleachi 3,20) - Christian David lebte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Eigentlich katholisch getauft und erzogen war er bald zutiefst beeindruckt von der pietistischen Bewegung und konvertierte schließlich. Tief bewegt von der Verfolgung der ebenfalls pietistisch gesinnten Böhmischen Brüder nahm er Verbindung zu Nikolaus Ludwig von Zinzendorf auf und ermöglichte den verfolgten Brüdern einen Neuanfang in Herrnhut. Später diente er als Missionar der Herrnhuter in Grönland und Pennsylvania. 1728 waren es die Verse aus Maleachi, die zu dieser Liedstrophe inspirierten: „Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unsrer Zeit; brich in Deiner Kirche an, dass die Welt es sehen kann.“

‚Gerechtigkeit‘ - ein Thema für Pfingsten? Wohl schon: Kurz vor Pfingsten 2022 twitterte der New Yorker praktische Theologe Timothy Keller (1950-2023): „Die Kirche ist voll von selbstgerechten, verärgerten und verbissenen Menschen. Sie legen zwar das Lippenbekenntnis ab, dass sie durch Christus gerettet seien. Aber das wahre Betriebssystem ihres Herzens ist ihre selbstgerechte Überzeugung, dass Gott sie aufgrund der Reinheit ihrer Lebensführung und Lehre liebt.“ - Ein solcher Geist der Selbstgerechtigkeit durchweht auch zunehmend Gesellschaft und Politik. Nicht zuletzt angefacht durch stets präsente Forderungen nach und Bekenntnissen zu mehr Klimagerechtigkeit, gendergerechter Sprache und politischer Korrektheit. Die aktuelle Politik setzt auf den ‚guten‘ Menschen, der um seine ‚Güte‘ weiß - und sich ihrer einfach versichern kann, in dem er vorgegebenen Moralkodexen seinen Gehorsam erweist.

Also ein politisches Thema an Pfingsten? - Ja. Und nein.

‚Ja‘: „… immer mehr Politiker haben eine innere Gewissheit darüber, was gut ist. Damit schaden sie dem Land, den Menschen, die sie gewählt haben und oft noch vielen Menschen über Landesgrenzen hinaus.“ Das schrieb Julien Reitzenstein, Historiker mit Schwerpunkt NS-Verbrechen und Ideologiegeschichte, im Magazin Cicero. Demgegenüber stellte er den in Artikel 56 des Grundgesetzes festgelegten Amtseid für Politiker. Der schreibe vor, dass ein Amtsträger verpflichtet sei, sich dem Wohle des deutschen Volkes zu widmen und Gerechtigkeit gegen jedermann zu üben. Das Grundgesetz verlange, dass Amtsträger sowohl der Neigung Böses wie der Neigung Gutes zu tun, widerstünden und stattdessen politische Maßstäbe zur Grundlage ihrer politischen Entscheidungen zu machen. „Politik muss gerecht sein, aber eben nicht nur für eine Gruppe, sondern ausgewogen. Sie muss politischen Notwendigkeiten und Grundsätzen folgen. … Populismus ist eben auch, wenn Politik der Neigung nicht widersteht, das Gefühl für das Gute über politische Grundsätze und Notwendigkeiten zu stellen.“ - Klingt fast ein wenig nach dem, was Luther 1528 schrieb: „Die Führung des Staates muss nicht heilig sein, auch seine Regierung braucht keine christliche sein. Es genügt völlig, dass im Staat die Vernunft herrscht.“

Und ‚Nein‘: Die achte Seligpreisung Jesu in der Bergpredigt spricht denen das Himmelreich zu, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden. Der evangelische Theologe, Pädagoge, Autor und Leiter des Missionsseminars Hermannsburg Olav Hanssen (1915-2005) schreibt in seiner Auslegung: „Für den Gerechten ist offenbar kein Platz auf dieser Erde. Das ist für die Christenheit von Anfang an kein totes, logisches Prinzip, sondern erfahrene Wirklichkeit gewesen, seit diese Seligpreisung sich im Leben unseres Herrn verwirklicht hat: der Sohn Gottes, der Gerechte schlechthin, ist verfolgt worden bis zum Tod am Kreuz, darum hat Gott ihn erhöht und zu seiner Rechten gesetzt.  Seitdem kann man nicht mehr harmlos von der Gerechtigkeit reden, als ob für sie noch irgend ein Platz in der menschlichen Gesellschaft wäre.“
Hanssens Lehre und Wirken war durchdrungen von der pfingstlichen Überzeugung: Gerechtigkeit kann allein der Geist Gottes gegen den leidenschaftlichen Widerstand des menschlichen Herzens und gegen alle Selbstgerechtigkeit verwirklichen. Ohne damit das Leid der Verfolgung von Christen in der Welt gering zu schätzen, stellte er fest: „Der ‚geistliche Mensch‘ in uns erlebt die Verfolgung durch den ‚äußeren Menschen‘ in uns. Und nur wer diese Verfolgung erduldet, ihr nicht ausweicht, sich durch sie nicht müde machen lässt, wird die Verheißung erlangen. Die menschliche Gesellschaft wird sich nicht ändern, wenn der einzelne sich nicht ändert.“

Kein ‚einfaches’, aber ein spannungsreiches Thema am Pfingstmontag in der Abendkirche ‚Worship & Mission’. Durch den Abend führt Sie Christoph Wagner. Und Annika und Nadia Schüler machen gemeinsam mit Gabriele Wienand und der Band der Abendkirche mit ihrem Musikprogramm unserem auferstandenen Herrn alle Ehre und laden uns ein, Ihn beim Wort zunehmen: „ ... ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein“ (Apostelgeschichte 1,8) … - „dass die Welt es sehen kann.“

Im Anschluss erwartet Sie und Ihre Gäste im Kirchenfoyer ein entspannter Ausklang des Abends bei einem kleinen Imbiss. Wir freuen uns auf Sie und auf eine gute und gesegnete Zeit mit Ihnen in der Abendkirche Bochum!

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